Ein paar Worte zur Portrait-Retusche

Die Digitalfotografie ist gnadenlos. Sie ist hochauflösend, scharf und zeigt unverblümt, was man (in der Öffentlichkeit des Internets) nicht unbedingt preisgeben möchte. Die vielleicht nicht ganz perfekte Zahnfarbe, Falten, Hautmale, ein schiefer Mund beim Lachen, Doppelkinn.

 

Fast jeder hat solche besonderen Merkmale, die er ganz persönlich als Makel empfindet, und fühlt sich im Angesicht eines jeden neuen Abbildes in seiner Meinung bestätigt. Da hilft es auch nichts, wenn die Kollegen das gelassen beurteilen und beschwichtigen. Das doofe Gefühl hält sich leider hartnäckig. Die anderen müssen damit ja schließlich nicht zurecht kommen.

 

Die Werbung tut ihr Übriges. Alle sind hübsch, perfekt und fotogen. Doch es ist ein unfairer Vergleich. Denn der lange Weg zum fertigen Bild wird nicht thematisiert und schon gar nicht gezeigt. Auch Fotomodels sind nicht aus Elfenbein! Sie sind Menschen wie Du und ich, werden älter und steigen morgens genauso zerknittert aus dem Bett. Nur hat das keiner dokumentiert… ;-)

 

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Die Kunst der Portrait-Retusche besteht für mich darin, den richtigen Ton zu treffen zwischen den unbegrenzten Möglichkeiten von Photoshop und der Natürlichkeit und Authentizität, nach der sich letztlich jeder sehnt.

 

Das Besondere einer Fotografie besteht ja darin, dass man stundenlang in ihr herumgucken kann. Und plötzlich fallen einem Dinge darin auf, die man live bei der Person vermutlich nicht bemerkt hätte, weil sie im Miteinander keine Rolle spielen.

 

Mit einer Retusche möchte ich deshalb das Zuviel an unnötigen Informationen und Details reduzieren und den Menschen so wirken lassen, wie ich ihn real erlebe. Sie braucht Zeit, ein gutes Auge und Sanftheit. Sie ist so individuell wie der Mensch selbst, stellt nicht bloß und übertüncht auch nichts.

 

In meiner Branche schießen manche bei der Bildbearbeitung über das Ziel hinaus und greifen auf schnelle Filtereffekte zurück. Aus Zeitgründen, weil die Retusche nicht ihr Ding ist, oder weil sie es nicht so genau nehmen. Das Ergebnis mag bei klitzekleinen Abbildungen noch ansehnlich wirken, doch sobald man das Portrait in voller Auflösung betrachtet, bemerkt man das Blendwerk.

 

Bei meiner Arbeit mache ich keine Kompromisse. Denn das würde sich weder für mich noch für meine Kunden rechnen. Deshalb bekommt jedes Portraitbild, das Sie bei mir erwerben, die individuelle und sorgsame Aufbereitung, die es für ein gutes Ergebnis nun einmal braucht.

 

Die Qualität meines Könnens veranschaulicht die obige Collage. Sie zeigt Vater und Tochter im selben Alter. Ungefähr vierzig Jahre liegen zwischen den beiden Aufnahmen.

 

Susanne Fern